Augentropfen gehören für viele Menschen zum Alltag – zum Beispiel bei trockenen Augen, Allergien, Entzündungen oder zur Behandlung bestimmter Augenerkrankungen. Doch so einfach das Eintropfen klingt, in der Praxis landet der Tropfen schnell auf der Wange statt im Auge. Auch das Blinzeln oder die Angst, das Auge mit der Tropfflasche zu berühren, kann die Anwendung erschweren.
Dabei ist die richtige Anwendung von Augentropfen wichtig: Sie hilft dabei, dass der Wirkstoff dort ankommt, wo er benötigt wird, und reduziert gleichzeitig das Risiko, die Tropfflasche zu verunreinigen. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Augentropfen richtig eintropfen und welche typischen Fehler Sie vermeiden sollten.
Augentropfen richtig eintropfen – Schritt für Schritt
Ob befeuchtende Augentropfen oder ärztlich verordnete Medikamente: Mit der richtigen Technik gelingt das Eintropfen meist schnell und unkompliziert.
1. Hände gründlich waschen
Waschen Sie vor der Anwendung Ihre Hände sorgfältig mit Wasser und Seife und trocknen Sie sie anschließend ab. So verhindern Sie, dass Schmutz oder Keime über die Hände an das Auge oder die Tropfflasche gelangen.
2. Augentropfen vorbereiten
Öffnen Sie die Flasche oder Einzeldosis vorsichtig. Achten Sie darauf, die Spitze des Tropfbehälters nicht mit den Fingern zu berühren.
Je nach Präparat kann es notwendig sein, die Augentropfen vor der Anwendung zu schütteln. Beachten Sie deshalb immer die Packungsbeilage beziehungsweise die Hinweise Ihrer Augenärztin oder Ihres Augenarztes.
3. Kopf leicht nach hinten neigen
Neigen Sie den Kopf nach hinten und schauen Sie nach oben. Alternativ können Sie sich für die Anwendung hinlegen – insbesondere dann, wenn Ihnen das Eintropfen im Stehen schwerfällt.
4. Unterlid vorsichtig nach unten ziehen
Ziehen Sie mit einem Finger das untere Augenlid leicht nach unten. Dadurch entsteht zwischen Unterlid und Auge eine kleine Tasche, der sogenannte Bindehautsack. Hier hinein wird der Augentropfen gegeben.
5. Einen Tropfen ins Auge geben
Halten Sie die Tropfflasche über das Auge, ohne mit der Spitze die Wimpern, das Augenlid oder die Augenoberfläche zu berühren. Geben Sie anschließend einen Tropfen in den unteren Bindehautsack.
In der Regel reicht ein einzelner Tropfen aus. Das Auge kann nur eine begrenzte Flüssigkeitsmenge aufnehmen. Zusätzliche Tropfen laufen daher meist einfach wieder heraus.
6. Auge sanft schließen
Schließen Sie das Auge nach dem Eintropfen für kurze Zeit sanft. Starkes Zusammenkneifen oder mehrfaches Blinzeln ist nicht notwendig und kann dazu führen, dass ein Teil der Flüssigkeit wieder aus dem Auge gedrückt wird.
Bei bestimmten Medikamenten kann es sinnvoll sein, zusätzlich mit einem Finger für etwa eine Minute sanften Druck auf den inneren Augenwinkel neben der Nase auszuüben. Dadurch wird der Abfluss über den Tränen-Nasen-Kanal reduziert und weniger Wirkstoff gelangt in den übrigen Körper. Ob dies bei Ihren Augentropfen empfehlenswert ist, erfahren Sie von Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.
Was tun, wenn der Augentropfen daneben geht?
Das passiert selbst bei geübter Anwendung: Der Tropfen landet auf dem Augenlid oder läuft direkt über die Wange.
Wenn Sie sicher sind, dass der Tropfen das Auge nicht erreicht hat, können Sie die Anwendung wiederholen. Ist dagegen unklar, ob der Tropfen im Auge gelandet ist, sollten Sie bei Medikamenten nicht beliebig oft nachtropfen. Beachten Sie die Anwendungshinweise des Präparats und fragen Sie bei Unsicherheiten in Ihrer Augenarztpraxis oder Apotheke nach.
Ein kleiner Tipp: Wer Schwierigkeiten hat, den Tropfen ins Auge zu bekommen, kann die Augentropfen auch im Liegen anwenden. Außerdem gibt es für bestimmte Tropfflaschen spezielle Eintropfhilfen.
Die Tropfflasche sollte das Auge nicht berühren
Ein besonders wichtiger Punkt bei der Anwendung von Augentropfen ist die Hygiene. Die Spitze der Flasche sollte weder das Auge noch die Wimpern, das Augenlid oder die Finger berühren.
Durch einen solchen Kontakt können Keime auf die Tropferspitze und möglicherweise in die Flüssigkeit gelangen. Außerdem besteht die Gefahr, die empfindliche Augenoberfläche mit der Flaschenspitze zu verletzen.
Verschließen Sie Mehrdosisbehälter deshalb nach der Anwendung wieder sorgfältig und beachten Sie die vorgeschriebenen Aufbewahrungsbedingungen und die Haltbarkeit nach dem Öffnen.
Mehrere Augentropfen: Abstand zwischen den Präparaten einhalten
Wer verschiedene Augentropfen verwenden muss, sollte sie normalerweise nicht unmittelbar nacheinander ins Auge geben. Der zweite Tropfen könnte den ersten teilweise wieder ausspülen.
Zwischen unterschiedlichen Augentropfen sollte deshalb ein zeitlicher Abstand eingehalten werden. Wie lang dieser sein sollte, hängt auch von den verwendeten Präparaten ab. Halten Sie sich an den ärztlich empfohlenen Tropfplan beziehungsweise die Angaben in der Packungsbeilage.
Wer zusätzlich eine Augensalbe verwendet, sollte ebenfalls auf die richtige Reihenfolge achten. In der Regel werden Augentropfen vor einer Augensalbe angewendet, da die Salbe einen Film auf der Augenoberfläche bildet und die Aufnahme nachfolgender Tropfen beeinträchtigen kann.
Augentropfen bei trockenen Augen richtig anwenden
Bei trockenen Augen kommen häufig befeuchtende Augentropfen beziehungsweise Tränenersatzmittel zum Einsatz. Sie sollen den natürlichen Tränenfilm unterstützen und Beschwerden wie Brennen, Fremdkörpergefühl oder gereizte Augen lindern.
Welche Augentropfen bei trockenen Augen geeignet sind, hängt jedoch von der Ursache und Ausprägung der Beschwerden ab. Denn ein Trockenes Auge kann unterschiedliche Ursachen haben. So kann beispielsweise zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet werden oder die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert sein, sodass dieser zu schnell verdunstet.
Wer regelmäßig unter trockenen, brennenden oder geröteten Augen leidet, sollte daher nicht ausschließlich auf eigene Faust verschiedene Augentropfen ausprobieren. Eine gezielte Untersuchung kann helfen, die Ursache der Beschwerden zu bestimmen und eine geeignete Behandlung auszuwählen. Machen Sie zu diesem Zweck gerne einen Termin für unsere Sicca-Sprechstunde.
Augentropfen und Kontaktlinsen – was ist zu beachten?
Nicht alle Augentropfen sind für die Anwendung mit eingesetzten Kontaktlinsen geeignet. Manche Präparate oder enthaltene Konservierungsmittel können sich in den Kontaktlinsen anreichern oder das Material beeinträchtigen.
Prüfen Sie deshalb vor der Anwendung, ob die jeweiligen Augentropfen ausdrücklich für Kontaktlinsenträger geeignet sind. Bei manchen Präparaten müssen die Kontaktlinsen vor dem Eintropfen herausgenommen werden und dürfen erst nach einer bestimmten Wartezeit wieder eingesetzt werden.
Die entsprechenden Hinweise finden Sie in der Packungsbeilage. Bei ärztlich verordneten Augentropfen sollten Sie sich an die individuellen Anwendungsempfehlungen halten.
Häufige Fehler bei der Anwendung von Augentropfen
Schon kleine Veränderungen bei der Technik können das Eintropfen erleichtern. Im Folgenden finden Sie noch einmal alle Fehler, die Sie möglichst vermeiden sollten, im Überblick:
- Hände vor dem Eintropfen nicht waschen
- Tropferspitze mit Fingern, Wimpern oder Auge berühren
- Mehrere Tropfen auf einmal ins Auge geben
- Direkt nach dem Eintropfen stark blinzeln oder die Augen zusammenkneifen
- Verschiedene Präparate ohne ausreichenden Abstand anwenden
- Augentropfen nach Ablauf der empfohlenen Verwendungsdauer weiterbenutzen
- Vorgeschriebene Lagerungsbedingungen nicht beachten
- Kontaktlinsen trotz gegenteiliger Anwendungshinweise im Auge lassen
Besonders bei verschreibungspflichtigen Augentropfen ist außerdem wichtig, die Behandlung nicht eigenständig zu verändern oder abzubrechen. Dosierung und Anwendungsdauer sollten den ärztlichen Vorgaben entsprechen.
Fazit
Augentropfen richtig anzuwenden ist mit etwas Übung ganz einfach. Waschen Sie zunächst gründlich Ihre Hände, ziehen Sie das Unterlid vorsichtig nach unten und geben Sie einen einzelnen Tropfen in den unteren Bindehautsack. Die Tropferspitze sollte dabei weder das Auge noch die Wimpern oder Finger berühren.
Wenn Sie mehrere Augenmedikamente verwenden, Kontaktlinsen tragen oder unsicher bei der richtigen Anwendung Ihrer Augentropfen sind, lassen Sie sich individuell beraten. Auch regelmäßig auftretende trockene, brennende oder gerötete Augen sollten augenärztlich abgeklärt werden – denn die passenden Augentropfen richten sich immer auch nach der Ursache der Beschwerden.