Ein langer Tag am Bildschirm, wenig Schlaf oder ein Besuch im Schwimmbad – und plötzlich sind die Augen rot. Gerötete Augen kommen häufig vor und sind in vielen Fällen harmlos. Manchmal können sie jedoch auch auf eine Entzündung, Verletzung oder andere Augenerkrankung hinweisen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie rot das Auge aussieht, sondern welche weiteren Beschwerden hinzukommen. Schmerzen, eine plötzliche Sehverschlechterung oder eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit sollten beispielsweise ernst genommen werden.
Doch welche Ursachen können rote Augen haben, was können Sie selbst tun – und wann sollten Sie mit einem roten Auge zum Augenarzt?
Warum werden unsere Augen rot?
Die Bindehaut überzieht einen großen Teil der sichtbaren Augenoberfläche. In ihr verlaufen zahlreiche kleine Blutgefäße, die normalerweise kaum auffallen.
Wird die Augenoberfläche gereizt oder entzündet, können sich diese Gefäße erweitern und stärker mit Blut füllen. Das Weiße des Auges erscheint dadurch rötlich. Je nach Ursache kann nur ein Auge oder es können beide Augen betroffen sein.
Eine Augenrötung ist deshalb zunächst einmal ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung. Um sie richtig einzuschätzen, müssen mögliche Auslöser und zusätzliche Beschwerden berücksichtigt werden.
Häufige und eher harmlose Ursachen für rote Augen
Nicht hinter jedem geröteten Auge steckt eine Erkrankung. Unsere Augen reagieren empfindlich auf zahlreiche Einflüsse aus dem Alltag.
Trockene und gereizte Augen
Eine sehr häufige Ursache für gerötete Augen ist ein gestörter Tränenfilm. Ist die Augenoberfläche nicht ausreichend befeuchtet, kann die Bindehaut gereizt reagieren.
Typische zusätzliche Beschwerden bei trockenen Augen sind:
- Brennen oder Jucken
- Fremdkörper- oder Sandkorngefühl
- Tränende Augen
- Müde oder schwere Augen
- Schwankendes Sehen
Besonders lange Bildschirmarbeit, trockene Heizungsluft, Klimaanlagen oder Zugluft können die Beschwerden verstärken.
Schlafmangel und Überanstrengung
Nach einer kurzen Nacht sehen die Augen bei vielen Menschen müde und gerötet aus. Auch stundenlange Bildschirmarbeit oder konzentriertes Lesen können die Augenoberfläche belasten.
Klingen die Beschwerden nach Erholung wieder ab und treten keine weiteren Symptome auf, ist eine solche vorübergehende Rötung meist kein Grund zur Sorge.
Rauch, Staub und andere Umweltreize
Zigarettenrauch, Staub, Wind oder andere Partikel in der Luft können die empfindliche Augenoberfläche reizen. Häufig sind beide Augen betroffen und fühlen sich gleichzeitig trocken, brennend oder juckend an.
Auch Chlorwasser im Schwimmbad kann den Tränenfilm vorübergehend beeinträchtigen und zu roten Augen führen.
Allergien
Juckende, tränende und gerötete Augen können auch auf eine Allergie hinweisen. Typisch ist ein ausgeprägter Juckreiz. Häufig sind beide Augen betroffen und gleichzeitig treten weitere allergische Beschwerden wie Niesen oder eine laufende Nase auf.
Bindehautentzündung: Nicht jedes rote Auge ist ansteckend
Bei roten Augen denken viele Menschen sofort an eine Bindehautentzündung. Tatsächlich kann eine sogenannte Konjunktivitis eine mögliche Ursache sein.
Eine Bindehautentzündung kann jedoch unterschiedliche Auslöser haben. Neben Viren und Bakterien kommen beispielsweise Allergien oder äußere Reize infrage. Nicht jede Bindehautentzündung ist deshalb automatisch ansteckend.
Je nach Ursache können zusätzlich zur Rötung beispielsweise folgende Beschwerden auftreten:
- Brennen oder Jucken
- Fremdkörpergefühl
- Verstärkter Tränenfluss
- Geschwollene Augenlider
- Schleimiges oder eitriges Sekret
- Morgendlich verklebte Augen
Da sich die verschiedenen Formen anhand der Beschwerden nicht immer eindeutig unterscheiden lassen, ist insbesondere bei ausgeprägten oder anhaltenden Symptomen eine augenärztliche Abklärung sinnvoll.
Plötzlich ein roter Fleck im Auge – was steckt dahinter?
Manchmal ist nicht das gesamte Auge gerötet, sondern es erscheint plötzlich ein deutlich abgegrenzter, kräftig roter Fleck im Augenweiß.
Dabei kann es sich um eine Unterblutung der Bindehaut, eine sogenannte Hyposphagma, handeln. Ein kleines Blutgefäß ist geplatzt und Blut hat sich unter der durchsichtigen Bindehaut gesammelt.
Das sieht häufig dramatischer aus, als es ist. Eine solche Unterblutung verursacht typischerweise keine Schmerzen und beeinträchtigt das Sehen nicht. Sie verschwindet meist von selbst wieder.
Treten solche Einblutungen jedoch wiederholt auf, sind beide Augen betroffen oder kommen Schmerzen, Sehstörungen beziehungsweise weitere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Kontaktlinsen und rote Augen – lieber vorsichtig sein
Rote Augen sollten bei Kontaktlinsenträgerinnen und Kontaktlinsenträgern besonders ernst genommen werden. Kontaktlinsen liegen direkt auf der Hornhaut und können bei falscher Anwendung, mangelnder Hygiene oder zu langen Tragezeiten die Augenoberfläche reizen.
Außerdem können Infektionen der Hornhaut auftreten, die zeitnah behandelt werden müssen.
Ist ein Auge beim Tragen von Kontaktlinsen plötzlich deutlich gerötet, schmerzhaft oder lichtempfindlich, sollten die Kontaktlinsen herausgenommen und die Beschwerden augenärztlich abgeklärt werden. Das gilt besonders bei einer zusätzlichen Verschlechterung des Sehens.
Wann sollten Sie mit roten Augen zum Augenarzt?
Eine leichte Augenrötung nach einem langen Bildschirmtag oder durch trockene Luft klingt häufig von selbst wieder ab. Bleibt die Rötung jedoch bestehen, tritt sie regelmäßig auf oder kommen weitere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache untersucht werden.
Eine zeitnahe augenärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:
- anhaltender oder zunehmender Rötung
- Schmerzen im oder am Auge
- ausgeprägter Lichtempfindlichkeit
- verschwommenem oder vermindertem Sehen
- deutlicher Schwellung
- eitrigem oder ungewöhnlich starkem Sekret
- Verletzungen oder Fremdkörpern am Auge
- roten Augen bei Kontaktlinsenträgern mit zusätzlichen Beschwerden
Plötzlich starke Augenschmerzen in Verbindung mit einem deutlich geröteten Auge und einer Sehverschlechterung sind ein Warnzeichen. Kommen beispielsweise starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder Farbringe um Lichtquellen hinzu, sollte unverzüglich eine augenärztliche beziehungsweise notfallmedizinische Abklärung erfolgen. Hinter diesen Symptomen kann unter anderem ein akuter Glaukomanfall stecken.
Auch Verletzungen des Auges oder der Kontakt mit Chemikalien erfordern eine schnelle medizinische Beurteilung.
Was können Sie bei leicht gereizten roten Augen selbst tun?
Sind die Augen lediglich leicht gerötet und bestehen keine Warnzeichen, können zunächst einige einfache Maßnahmen helfen.
Gönnen Sie Ihren Augen Ruhe und reduzieren Sie längere Bildschirmzeiten. Bewusstes und vollständiges Blinzeln unterstützt die Verteilung des Tränenfilms auf der Augenoberfläche.
Vermeiden Sie außerdem möglichst:
- Augenreiben
- Zigarettenrauch
- Zugluft
- sehr trockene Raumluft
- unnötig lange Kontaktlinsentragezeiten
Bei trockenen Augen können geeignete Benetzungstropfen die Augenoberfläche unterstützen. Welche Augentropfen sinnvoll sind, hängt jedoch von der Ursache der Beschwerden ab.
Von einer dauerhaften Selbstbehandlung mit sogenannten „Weißmacher“-Augentropfen, die die Blutgefäße verengen und die Rötung lediglich optisch reduzieren, ist abzuraten. Die Ursache des roten Auges wird dadurch nicht behandelt.
Warum wiederkehrende rote Augen untersucht werden sollten
Wenn die Augen immer wieder gerötet sind, lohnt es sich, genauer nach der Ursache zu suchen. Besonders häufig steckt ein gestörter Tränenfilm dahinter.
Bei einem Trockenen Auge kann beispielsweise zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden sein oder die Tränen können aufgrund einer gestörten Lipidschicht zu schnell verdunsten. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Meibom-Drüsen an den Lidrändern.
Eine gezielte Untersuchung des Tränenfilms und der Augenoberfläche kann zeigen, ob ein Sicca-Syndrom, eine Störung der Meibom-Drüsen oder eine andere Ursache für die wiederkehrenden Augenreizungen verantwortlich ist.
Fazit
Rote Augen sind häufig harmlos – beispielsweise nach einem langen Bildschirmtag, bei trockener Luft, Schlafmangel oder einer vorübergehenden Reizung. Die Rötung allein sagt jedoch wenig darüber aus, welche Ursache dahintersteckt.
Achten Sie deshalb besonders auf zusätzliche Beschwerden. Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterungen oder starke einseitige Beschwerden sind Warnzeichen, die augenärztlich abgeklärt werden sollten.
Auch regelmäßig wiederkehrende gerötete Augen sollten nicht dauerhaft nur mit Augentropfen behandelt werden. Eine augenärztliche Untersuchung kann klären, ob beispielsweise trockene Augen, eine Entzündung oder eine andere Erkrankung hinter den Beschwerden steckt – und welche Behandlung sinnvoll ist.