Der Blick in den Spiegel nach dem Aufstehen zeigt es manchmal deutlich: Die Augenlider sind geschwollen, die Augen wirken müde und die Partie rund um die Augen ist aufgedunsen. Geschwollene Augen am Morgen sind ein häufiges Phänomen und in vielen Fällen harmlos. Oft verschwinden die Schwellungen im Laufe des Vormittags von selbst.
Doch nicht immer stecken Schlafmangel oder eine ungünstige Schlafposition dahinter. Auch Allergien, Entzündungen der Augenlider oder bestimmte Erkrankungen können dazu führen, dass die Augen morgens geschwollen sind.
Warum schwellen die Augenlider besonders über Nacht an, was hilft gegen geschwollene Augen – und wann sollten Sie die Beschwerden augenärztlich untersuchen lassen?
Warum sind die Augen morgens häufig geschwollen?
Die Haut rund um unsere Augen ist besonders dünn und empfindlich. Das darunterliegende Gewebe ist relativ locker, sodass sich dort leicht Flüssigkeit ansammeln kann.
Während wir schlafen, verändert sich die Verteilung der Körperflüssigkeit. Durch die liegende Position kann sich Flüssigkeit vermehrt im Gewebe rund um die Augen sammeln. Das macht sich nach dem Aufstehen besonders an den oberen und unteren Augenlidern bemerkbar.
Sobald wir aufstehen und uns bewegen, verändert sich die Flüssigkeitsverteilung wieder. Deshalb gehen leichte morgendliche Schwellungen häufig innerhalb einiger Stunden zurück.
Wie ausgeprägt die Schwellungen sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise Schlafgewohnheiten, Ernährung, individuelle Veranlagung und mögliche Erkrankungen.
Häufige Ursachen für geschwollene Augen am Morgen
Nicht jede Schwellung der Augenlider hat die gleiche Ursache. Besonders häufig spielen alltägliche Einflüsse eine Rolle.
Schlafmangel und Schlafposition
Zu wenig Schlaf kann dazu beitragen, dass die Augenpartie morgens müde und geschwollen wirkt. Auch die Schlafposition beeinflusst, wie sich Flüssigkeit über Nacht im Gewebe verteilt.
Wer sehr flach oder auf dem Bauch schläft, bemerkt unter Umständen häufiger Schwellungen rund um die Augen. Eine leicht erhöhte Kopfposition kann bei manchen Menschen helfen, morgendliche Flüssigkeitsansammlungen zu reduzieren.
Salzreiche Ernährung und Alkohol
Eine sehr salzhaltige Mahlzeit am Abend kann dazu beitragen, dass der Körper vorübergehend mehr Wasser zurückhält. Das kann sich am nächsten Morgen auch an den Augenlidern bemerkbar machen.
Alkohol kann ebenfalls die Schlafqualität und den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen. Nach einer kurzen Nacht mit Alkohol und salzigem Essen können geschwollene Augen deshalb besonders auffallen.
Allergien
Auch eine Allergie kann hinter geschwollenen Augenlidern stecken. Typische Auslöser sind beispielsweise Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare.
Bei einer allergischen Reaktion können zusätzlich folgende Beschwerden auftreten:
- Juckende Augen
- Gerötete Augenlider oder Bindehaut
- Verstärkter Tränenfluss
- Brennen oder Reizungen
- Geschwollene Ober- oder Unterlider
Besonders bei einer Hausstaubmilbenallergie können die Beschwerden morgens nach dem Aufwachen auffallen, da der Kontakt mit den Allergenen über Nacht im Bett stattfindet.
Reizungen durch Kosmetik und Pflegeprodukte
Die empfindliche Haut der Augenlider kann auf Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten reagieren. Beispielsweise können Augencremes, Make-up, Reinigungsprodukte oder bestimmte Duft- und Konservierungsstoffe eine Reizung oder Kontaktallergie auslösen.
Typisch sind dann neben der Schwellung häufig Juckreiz, Rötungen oder trockene, schuppige Haut.
Wer solche Beschwerden nach dem Wechsel eines Pflegeprodukts bemerkt, sollte das betreffende Produkt zunächst nicht weiterverwenden.
Geschwollene Augenlider durch Entzündungen
Nicht immer handelt es sich bei geschwollenen Augen um eine harmlose Flüssigkeitsansammlung. Auch Entzündungen der Augenlider können die Ursache sein.
Lidrandentzündung (Blepharitis)
Bei einer Lidrandentzündung sind die Ränder der Augenlider gereizt oder entzündet. Häufig treten zusätzlich Rötungen, Brennen, Juckreiz oder kleine Verkrustungen an den Wimpern auf.
Eine wichtige Rolle können dabei die sogenannten Meibom-Drüsen spielen. Diese kleinen Drüsen an den Lidrändern produzieren ein fetthaltiges Sekret, das den Tränenfilm stabilisiert.
Ist ihre Funktion gestört, kann dies Entzündungen am Lidrand und trockene Augen begünstigen. Morgens können die Lider dann geschwollen, verklebt oder gereizt sein.
Gerstenkorn und Hagelkorn
Auch ein Gerstenkorn oder Hagelkorn kann eine örtlich begrenzte Schwellung am Augenlid verursachen.
Ein Gerstenkorn (Hordeolum) entsteht durch eine akute Entzündung beziehungsweise Infektion einer Drüse am Augenlid. Typisch sind eine gerötete, druckempfindliche und häufig schmerzhafte Schwellung.
Ein Hagelkorn (Chalazion) entsteht dagegen meist durch eine verstopfte Meibom-Drüse mit nachfolgender Entzündungsreaktion. Es zeigt sich häufig als langsam entstehender, eher schmerzloser Knoten im Augenlid.
Beide Veränderungen sollten nicht selbst ausgedrückt oder aufgestochen werden. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll.
Was hilft gegen geschwollene Augen am Morgen?
Sind die Augenlider lediglich leicht geschwollen und bestehen keine weiteren Beschwerden, können einige einfache Maßnahmen helfen, die Schwellung zu reduzieren.
1. Augenpartie vorsichtig kühlen
Eine kühle Kompresse kann vorübergehend helfen, leichte Schwellungen rund um die Augen zu lindern.
Legen Sie dazu ein sauberes, mit kühlem Wasser angefeuchtetes Tuch für einige Minuten auf die geschlossenen Augenlider.
Vermeiden Sie jedoch direkten Kontakt mit Eis oder sehr kalten Kühlpacks. Die empfindliche Haut rund um die Augen sollte nicht übermäßig gekühlt werden.
2. Auf ausreichend Schlaf achten
Regelmäßiger und ausreichender Schlaf unterstützt die allgemeine Erholung und kann dazu beitragen, dass die Augen morgens weniger müde und geschwollen wirken.
Auch eine leicht erhöhte Kopfposition während des Schlafens kann bei wiederkehrenden morgendlichen Flüssigkeitsansammlungen hilfreich sein.
3. Salz und Alkohol am Abend reduzieren
Wer häufig mit geschwollenen Augen aufwacht, kann beobachten, ob die Beschwerden nach besonders salzhaltigen Mahlzeiten oder Alkoholkonsum verstärkt auftreten.
Eine ausgewogene Ernährung und ein bewusster Umgang mit Alkohol können helfen, solche vorübergehenden Schwellungen zu reduzieren.
4. Augen nicht reiben
Auch wenn geschwollene Augenlider manchmal jucken oder sich unangenehm anfühlen: Kräftiges Augenreiben kann die empfindliche Haut und die Augenoberfläche zusätzlich reizen.
Besonders bei allergischen Beschwerden kann das Reiben die Symptome verstärken.
5. Bei wiederkehrenden Beschwerden die Ursache untersuchen lassen
Wenn die Augen regelmäßig morgens geschwollen sind, ist es sinnvoll, mögliche Auslöser genauer zu betrachten.
Je nach Beschwerden können beispielsweise eine Allergie, eine Lidrandentzündung oder eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen vorliegen. Die Behandlung sollte sich dann gezielt nach der Ursache richten.
Kühlen oder wärmen – was ist bei geschwollenen Augen besser?
Ob Kälte oder Wärme sinnvoll ist, hängt von der Ursache der Schwellung ab.
Kühlen kann bei leichten Flüssigkeitsansammlungen oder allergisch bedingten Schwellungen angenehm sein und vorübergehend Beschwerden lindern.
Wärme wird dagegen häufig bei verstopften Meibom-Drüsen oder bestimmten Lidrandentzündungen eingesetzt. Sie kann helfen, eingedicktes Drüsensekret zu verflüssigen und dessen Abfluss zu unterstützen.
Bei einem Gerstenkorn oder Hagelkorn können warme Kompressen ebenfalls Bestandteil der Behandlung sein.
Wichtig ist jedoch, nicht jede Schwellung auf eigene Faust mit Wärme oder Kälte zu behandeln. Besonders bei starken Schmerzen, deutlicher Rötung oder Verdacht auf eine Infektion sollte zunächst die Ursache ärztlich geklärt werden.
Können geschwollene Augen auf eine Erkrankung hinweisen?
In den meisten Fällen sind leichte morgendliche Schwellungen harmlos. Treten sie jedoch regelmäßig auf, bleiben sie dauerhaft bestehen oder sind weitere Körperregionen betroffen, können auch andere Erkrankungen dahinterstecken.
Beispielsweise können bestimmte Erkrankungen der Schilddrüse, der Nieren oder andere Störungen des Flüssigkeitshaushalts zu Schwellungen im Bereich der Augen beitragen.
Solche Ursachen sind deutlich seltener als vorübergehende Flüssigkeitsansammlungen oder lokale Reizungen. Bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Schwellungen kann jedoch eine weiterführende ärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Wann sollte man mit geschwollenen Augen zum Augenarzt?
Leicht geschwollene Augenlider, die nach dem Aufstehen von selbst wieder abschwellen und keine weiteren Beschwerden verursachen, sind meist kein Grund zur Sorge.
Eine augenärztliche Untersuchung ist jedoch sinnvoll, wenn:
- die Schwellung über längere Zeit bestehen bleibt,
- die Augenlider regelmäßig stark geschwollen sind,
- zusätzlich Rötungen, Juckreiz oder Verkrustungen auftreten,
- sich ein Knoten am Augenlid bildet,
- die Schwellung nur ein Auge betrifft und zunimmt oder
- wiederkehrende Entzündungen der Lidränder auftreten.
Bei starken Schmerzen, Fieber, einer ausgeprägten Rötung oder Überwärmung, Schmerzen bei Augenbewegungen, hervortretendem Auge oder einer Sehverschlechterung ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich. Dahinter kann unter anderem eine ernsthafte Infektion im Bereich der Augenhöhle stecken.
Auch plötzlich auftretende starke Schwellungen zusammen mit Atemnot oder Schwellungen von Lippen oder Zunge sind ein medizinischer Notfall.
Fazit
Geschwollene Augen am Morgen sind häufig harmlos. Meist handelt es sich um vorübergehende Flüssigkeitsansammlungen im empfindlichen Gewebe rund um die Augen, die im Laufe des Tages wieder zurückgehen.
Schlafmangel, Schlafposition, salzreiche Ernährung oder Allergien können solche Schwellungen begünstigen. Vorsichtiges Kühlen, ausreichend Schlaf und das Vermeiden reizender Einflüsse können helfen, die Beschwerden zu lindern.
Treten geschwollene Augenlider jedoch regelmäßig auf oder kommen Rötungen, Schmerzen, Juckreiz oder andere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache untersucht werden. Denn auch Lidrandentzündungen, Funktionsstörungen der Meibom-Drüsen oder andere Erkrankungen können hinter den Schwellungen stecken.
Eine gezielte augenärztliche Untersuchung kann helfen, die Ursache zu erkennen und eine passende Behandlung einzuleiten.